Chronik

Sportvereinigung 

Neuwirtshaus e.V. 1948 

 

Chronik 

(Stand 2020)

Am 19. November 1948 fand unter der Führung von Richard Küstner die Gründungsversammlung statt. Ziel war es, in Neuwirtshaus den Fußballsport betreiben zu können.

Erste und wichtigste Aufgabe war die Errichtung einer Sportplatzanlage. Mit Unterstützung der Vorstandschaft der Siedlergemeinschaft Neuwirtshaus konnte im Frühjahr 1949 damit begonnen werden, einen Rasenplatz anzulegen. In beispielloser Zusammenarbeit wurden die Arbeiten vorangetrieben. Bereits am 11. September 1949 konnte dann der zu diesem Zeitpunkt 1. Vorsitzende, Emil Schumacher, die Sportplatzanlage einweihen und ihrer Bestimmung übergeben. Somit war es den aktiven und der bereits bestehenden Jugendfußballabteilung möglich, auf eigenem Gelände Fußball zu spielen. Da Geld mehr als knapp war und sich die Sportler keinen eigenen Dress leisten konnten, hatten Sie sich von der Betriebsmannschaft der Stadt Stuttgart einen Satz Sportbekleidung ausgeliehen. Da diese die Farben der Stadt Stuttgart (gelb/schwarz) hatte, war nichts näher liegender, als diese Farben als die Vereinsfarben zu wählen. Als Vereinslokal diente eine von der Gewerkschaft gestiftete, ehemalige amerikanische Militärbaracke. Dusch- und Umkleidekabinen gab es zu dieser Zeit noch nicht, dafür musste die Waschküche der in unmittelbarer Nachbarschaft wohnende Familie Huber herhalten.

Im Januar 1950 wurde die Handballabteilung mit einer Damenmannschaft gegründet. Im Jahr 1953 folgte dann eine Herrenmannschaft.

Der Gedanke an eine eigene Sporthalle mit richtigem Vereinsheim ließ den Vereinsmitgliedern keine Ruhe. Im Jahre 1952 konnte ein an den Sportplatz angrenzendes Gelände von der Gemeinde Münchingen gepachtet werden und es wurde eine in Echterdingen stehende, ehemalige Flakbaracke gekauft. Dies war eine große –auch finanzielle – Herausforderung, die sogar 7 Mitglieder dazu veranlasste, mit ihren Häusern als Bürgen zu agieren. Am 29. Mai 1954 wurde dann das heute noch stehende, neue Vereinsheim unter großer Anteilnahme der Bevölkerung eingeweiht.

Das Jahr 1954 war dann ein für den Verein ganz besonderes. Nicht nur die Einweihung des Vereinsheimes war ein Meilenstein. Die erste Fußballmannschaft stieg in die zum damaligen Zeitpunkt sehr attraktive und qualitativ hochwertige A-Klasse auf. Im Herbst dieses Jahres wurde dann auch schon die Tischtennis-Abteilung unter der Leitung von Siegfried Gerner ins Leben gerufen.

Im Dezember 1954 gründet sich die Laienspielgruppe Neuwirtshaus, die zum damaligen Zeitpunkt noch eigenständig agierte.  1958 schloss sich dann diese Gruppe der Sportvereinigung an. Sie sorgte dafür, dass auch das kulturelle Angebot in Neuwirtshaus seinen Platz hatte. Die regelmäßigen Auftritte in den 60er und 70er Jahren waren stets von Erfolg gekrönt. Schnell wurde diese Abteilung über die Grenzen von Stuttgart hinaus bekannt und beliebt. Als fester Bestandteil der alljährlichen Herbstfeiern belebten die Laienspieler die bunten Nachmittage der Siedlergemeinschaft. Seit den 90er Jahren, als der Saal des Vereinsheimes nach dem Umbau Platz für mehr Gäste bietet, treten die Laienspieler mit alljährlich wechselndem Programm an 10 – 15 öffentlichen Veranstaltungen auf. Sie gewannen schnell ein Stammpublikum, welches immer wieder gespannt ist, welchen Knaller das neue Stück bringt. Meist sind die Veranstaltungen ausverkauft und das Publikum erfreut sich immer wieder aufs Neue an den kurzweiligen und lustigen Stücken.

Im Herbst 1956 wurde damit begonnen, im Vereinsheim Dusch- und Umkleidekabinen zu errichten. Diese konnten im Sommer 1957 ihrer Bestimmung übergeben werden. Ebenfalls im Sommer 1957 gelang es, das Vereinsheim zu verpachten und ab diesem Zeitpunkt einen regelmäßigen Wirtschaftsbetrieb einzurichten.  Der Sommer 1958 brachte ein im wahrsten Sinne des Wortes einschneidendes Ereignis. Während eines Gewittersturmes stürzte eine in unmittelbarer Nachbarschaft stehende Eiche durch das Dach in die Halle und richtete einen erheblichen Schaden an. Zum Glück gab es keine Verletzten. Dies ist deshalb besonders erwähnenswert, da in dieser Zeit immer so ca. 250 Stadtkinder von der Arbeiterwohlfahrt für 4 Wochen ihre Schulferien in unserem Vereinsheim verbrachten.

Die Handballer, die ihren Spielbetrieb Ende der Fünfziger Jahre wieder einstellten fanden sich am 11. Juni 1963 erneut zusammen und gründeten eine Handballabteilung. Zunächst waren sie mit einer Frauenmannschaft sehr erfolgreich. Ende der sechziger Jahre folgte dann auch wieder eine Männermannschaft.

Die Folgejahre waren geprägt durch ein intaktes Vereinsleben, wie dies in den 60er 70er und auch noch in den 80er Jahren üblich war. Es fanden neben dem Sportbetrieb große Vereinsausflüge, öffentliche Faschings- und Tanzveranstaltungen statt. Der Zusammenhalt untereinander war groß und wurde sehr geschätzt. Besonders herausragende Leistungen verbrachten die Mitglieder in dieser Zeit bei dem alljährlich von der Fa. PORSCHE durchgeführten Firmenfußballturnier auf unserem Sportgelände. Dabei wurde das Vereinsheim meist über einen Zeitraum von vier Wochen durch die Mitglieder selbst bewirtschaftet. Zum Abschluss der Finalspiele wurde häufig noch ein großes Bierzelt auf dem Parkplatz des Vereinsheimes aufgestellt und durch die Fa. PORSCHE ein bunter Abend mit Siegerehrungen durchgeführt. Mehrere hundert Gäste wurden immer in Eigenregie bewirtet. Die Erlöse aus dieser Selbstbewirtschaftungszeit waren dann die Grundlage für die größten Baumaßnahmen der neueren Zeit. Im Jahre 1990 wurden neue Dusch- und Umkleidekabinen sowie eine Saalvergrößerung mit neuer Bühne erschaffen. Neben den fremdvergebenen Arbeiten zeigte sich in dieser Zeit erneut, dass das Vereinsleben intakt ist. Viele Mitglieder leisteten ehrenamtliche Stunden, um die Kosten erträglich zu halten. Besonders hervorgetan hat sich das damalige Vorstandstrio (Dr. Heinz Rabe, Rolf Groß und Helmut Hahn), die die Triebfedern der ganzen Aktion waren. Des Weiteren sollte auch das Trio aus rüstigen Rentnern (einmal mehr) Rolf Groß, Erich Müller und Otto Schneider hervorgehoben werden, die viele Arbeitsstunden und „Know How“ in den Ausbau eingebracht haben. Alle genannten Personen wurden aufgrund ihrer Verdienste in der Folge zu Ehrenmitglieder bzw. Dr. Heinz Rabe zum Ehrenvorsitzenden ernannt.

Die großen Vereinsfeste und Ausflüge wurden von Jahr zu Jahr weniger und fanden gegen Ende der 90er Jahre nicht mehr statt. Als quasi Ausgleich dafür bzw. damit sich zumindest einmal im Jahr alle Mitglieder/-innen zu einem geselligen Zusammensein treffen, findet seit dem Jahr 2005 immer am 06. Januar im Saal des Vereinsheimes eine Jahresauftaktveranstaltung mit Brunch statt. Diese erfreut sich sehr großer Beliebtheit und hat sich mehr als etabliert.

In den Siebzigern war dann auch die Zeit, in der eine Damengymnastikgruppe gegründet wurde. Diese musste aber leider mangels genügend aktiver Teilnehmerinnen ihren Betrieb im Jahr 2003 wieder einstellen.

Eine Erfolgsgeschichte war das Kinderturnen das unter der Leitung von Ingrid Strobl im Jahr 1993 ins Leben gerufen wurde. Zuerst war geplant, mit einer Gruppe zu starten. Die Nachfrage war aber so groß, dass mit je einer Kindergarten- und einer Grundschulkindergruppe begonnen wurde. Im Laufe der Jahre haben sich nicht nur Neuwirtshäuser Kinder für das Kinderturnen interessiert, sondern die Kinder kamen auch aus Zuffenhausen, Stammheim und Korntal. Der Zulauf war teilweise so groß, dass Wartelisten angelegt werden mussten. Nach insgesamt 25 Jahren hat Ingrid Strobl die Leitung an Katrin Daum, die Tochter eines langjährigen Mitgliedes der Tischtennis-Abteilung, abgegeben. Das Kinderturnen ist bis heute ein fester Bestandteil des Sportangebotes und erfreut sich großer Beliebtheit.

Ursprünglich für alle Kinder und Jugendlichen des Vereins wurden über viele Jahre große Weihnachtsfeiern und auch Kinderfaschingsveranstaltungen durchgeführt. Im neuen Jahrtausend wurden dann die Faschingsveranstaltungen aufgrund fehlender Unterstützung, zu großer Unruhe und mangelnden Interesses eingestellt. Die Kinderweihnachtsfeiern wurden im Laufe der Jahre auf die Kinder des Turnens, die in erster Linie im Kindergarten und Grundschulalter sind, beschränkt. Dadurch erfreut sich sowohl der Nikolaus als auch die ganze Veranstaltung noch großer Beliebtheit.

Mangels Nachwuchs musste die Handballabteilung im Jahre 1993 den schmerzhaften Gang der Abteilungsauflösung begehen. Lediglich die beiden ehemaligen Spieler Bernd und Harald Andler vertreten die Sportvereinigung noch auf nationaler (Bundesliga) und internationaler Handballebene als Schiedsrichtergespann.

Im Bereich Fußball gab es bis in die 80er Jahre immer mehrere Jugend- sowie stets zwei aktive Herren-Mannschaften, die überwiegend aus in Neuwirtshaus wohnenden oder aus Neuwirtshaus stammenden Spielern und Funktionären bestanden. Doch langsam aber sicher nagte auch an dieser Sportart der Zahn der Zeit. Die letzten Eigengewächse kämpften bis zum Jahr 1987 um den aktiven Spielbetrieb aufrecht zu erhalten. Eine Jugendabteilung gab es zu diesem Zeitpunkt schon keine mehr. So wurde der schwere Gang beschritten und zunächst der Spielbetrieb eingestellt. Eine komplette Mannschaft aus Feuerbach hatte diesen dann aber im Jahr 1991 wieder aufgenommen.  Es gelang sogar, im Jahr 1997 wieder Jugendmannschaften zu melden. Die Erwachsenen wuchsen dann im Jahr 2000 wieder aus dem aktiven Fußballerleben heraus und die Jugendlichen waren noch nicht so weit. So gab es wieder Jahre, in denen kein aktiver Spielbetrieb bestand. Immer mal wieder meldeten sich Vereinsfremde, die als Fußballmannschaft unter dem Namen von Neuwirtshaus am Spielbetrieb teilnehmen wollten. Zwei Versuche wurden in dieser Form auch unternommen, die aber beide nach kurzer Euphorie wieder scheiterten. Somit musste schweren Herzens der aktive Fußballbetrieb endgültig eingestellt werden. Was sich jedoch zu einem Jungbrunnen des Fußballs entwickelte, war der Jugendbetrieb. Unter der engagierten Leitung von Mimo Petrarca wurde kontinuierliche Aufbauarbeit geleistet. Diese gipfelt im Jahr 2008 darin, dass sämtliche Jugendmannschaften (von den Bambinis im Alter von 5 – 6 Jahren bis zur A-Jugend bis 18 Jahre) am Spielbetrieb teilnahmen. Dies ließ auf eine baldige bessere Zeit im aktiven Bereich hoffen. Leider hat sich aber diese Hoffnung nicht erfüllt und es blieb dabei, dass keine am aktiven Spielbetrieb teilnehmende Mannschaft mehr gemeldet werden konnte. Auch im Jugendbetrieb nagte langsam der Zahn der Zeit. Zuerst musste die A-Jugend den Spielbetrieb wieder einstellen und in den Folgejahren trafen die übrigen Jugendmannschaften das gleiche Schicksal. Zuletzt nahmen im Jahr 2013 noch zwei Jugendmannschaften am Spielbetrieb teil. Im Jahr 2014 gab es dann nicht mehr genug Jugendliche, um einen ordentlichen Spielbetrieb aufrecht zu erhalten. Somit musste auch das Kapitel Jugendspielbetrieb geschlossen werden.

Die Tischtennis-Spieler waren da erfolgreicher. Seit dem Rolf Groß im Jahre 1962 die Leitung übernommen hatte, wurde ohne Unterbrechung am Spielbetrieb teilgenommen. Rolf Groß, der auch viele Jahre im Vorstand tätig war, ist wohl der erfolgreichste Sportler, den der Verein hervorgebracht hat. In seiner Altersklasse errang er neben mehreren württembergischen und deutschen Meistertiteln auch den eines Europameisters im Doppel im Jahre 2001 und einen Weltmeistertitel im Einzel sowie gleichzeitig auch den eines Vizeweltmeisters im Doppel, beide Male im Jahr 2006. Die Tischtennisspieler konnten in ihren Glanzzeiten mit 3 Aktiven Herren-Mannschaften, einer Damen-Mannschaft und mehreren Jugendmannschaften in den jeweiligen Leistungsklassen brillieren. Zur Zeit (Stand Oktober 2021) besteht die Tischtennisabteilung aus 2 aktiven Herrenmannschaften, einer Damen- und Mädchenmannschaft.

Anlässlich des 70-jährigen Vereinsjubiläums fand 2018 ein großes Grillfest, zu dem nicht nur die aktuellen, sondern auch langjährig dem Verein verbundene Personen eingeladen wurden. Es war schön, wie in alten Zeiten geschwelgt wurde und sich die Leute bis spät in die Nacht hinein wohl fühlten.

2020 kam dann Corona und das Vereinsleben wurde weitestgehend lahmgelegt.